Lernpsychologie

Lernen

 

Die Aufnahme von Informationen durch ein Lebewesen und ihre Aufbewahrung im Gedächtnis. In der Ethologie fasst man unter diesem Begriff alle Prozesse zusammen, die zu einer individuellen Anpassung des Verhaltens an die jeweiligen Umweltbedingungen führen, d.h. die Veränderungen im Verhalten als Folge individueller Erfahrungen hervorrufen. Der Lernvorgang erfolgt in vier Teilphasen:

Aufnahme von Information über die Rezeptoren

Einspeichern von Information im Zentralnervensystem

Aufbewahren von Information innerhalb des Zentralnervensystems

Abrufen von Information aus dem Speicher

 

Man unterscheidet zwischen:

Obligatorischen Lernvorgängen, die für ein Tier lebensnotwendig sind, z.B. Prägungsvorgänge bei der Geburt aber auch Lernvorgänge im Zusammenhang mit Feindvermeidung und Nahrungsaufnahme.

Fakultatives Lernen zum individuellen Erkennen oder im Bereich von Erkundungs- und Spielverhalten.

 

 

Klassische und operante Konditionierung werden auch unter dem Begriff assoziatives Lernen zusammengefasst. Pferde lernen hauptsächlich über Assoziationen „Verknüpfung von Einzelreizen“. Lernen erfolgt deshalb immer in kleinen Schritten.

Wenn man das Pferd über Plastik laufen lassen will, muss das Pferd zuerst verstanden haben auf welche Hilfen es vorwärts treten muss und ihm Zeit geben den Plastik von sich aus neugierig zu begutachten.

 

 

Eine neue französische Studie von der Uni Rennes bestätigt, dass mit positiver Verstärkung, also mit Lob statt mit Druck, Pferde nachhaltiger und motivierter arbeiten. Studienleiterin Carol Sankey hat 26 junge Pferde getestet, welchen beigebracht wurde, stehenzubleiben und Handgriffe von Pflegern und leichte medizinische Untersuchungen über sich ergehen zu lassen. Die eine Hälfte der Jährlinge wurde während des Trainings mit Futter belohnt, die andere nicht. Nicht nur, dass die belohnten Tiere schneller lernten, sie hatten auch nach Monaten ein besseres Erinnerungsvermögen an die Trainerin und übertrugen ihr erlerntes Vertrauen auf andere Pfleger. Die Pferde, die nicht belohnt wurden, benahmen sich misstrauischer gegenüber Menschen und zeigten negative Verhaltensweisen wie Beissen oder Ausschlagen.

 



Pferde haben keinen Schmerzschrei

Wer die sprichwörtliche Einheit von Mensch und Pferd, die Harmonie sucht, der sollte beim Sehen Lernen anfangen. Harmonie oder Disharmonie in der Bewegung des reiterlosen und später auch gerittenen Pferdes zu erkennen. Die Hand, der Schenkel wie stark oder gefühlvoll wird es eingesetzt. Pferde reagieren auf Reize auf gelerntes, sie machen nicht etwas bewusst gut oder schlecht.

Ein Verhalten nicht, oder falsch auszuführen hat immer einen Grund;
Versteht das Pferd die gegebenen Hilfen, sind sie klar. Pferde sind Gewohnheitstiere. Hinterfragen wo liegt die Ursache?

Das Pferd bleibt in der Mitte der Halle stehen obwohl das Training noch nicht beendet ist.
Das tut es nicht um uns zu ärgern! Pferde lernen mittels Gewohnheiten.
Das Pferd assoziiert (verknüpft) die Hallenmitte mit der Beendigung des Trainings, nachdem das Training zum vierten Mal in Folge nach ca. 50 Min. (innere Uhr) in der Hallenmitte beendet wurde.
Verantwortlich für dieses erlernte Verhalten ist der Reiter.

Mimik, Widerstand - gegen die Hilfen gehen, angespannte Muskulatur sind die einzigen Möglichkeiten, mit denen ein Pferd signalisieren kann "Hör auf!"


Voraussetzung für jeden erfolgreichen Lernvorgang ist, dass Körper und Verhalten, die nötige Reife erreicht haben und den jeweiligen Anforderungen gewachsen sind. Die Handlungsbereitschaft des Pferdes und die Konzentration vorhanden ist. Besonders bei jungen, zuchtbedingt talentierten und stark motivierten Pferden muss der Ausbilder darauf achten, dass das Leistungsvermögen nicht in Folge der hohen Leistungsbereitschaft des Pferdes überfordert wird.

Der Pferdehalter und Trainer ist dafür verantwortlich, die Eignungen, Veranlagungen, Möglichkeiten und Grenzen des Einzeltieres zu erkennen und die Anforderungen jeweils dem aktuellen Lernvermögen des Pferdes anzupassen.



Die Lernfähigkeit eines Pferdes hängt nicht alleine von ererbten Faktoren ab, sie wird auch stark von vorangegangen Erfahrungen beeinflusst.



Rima im Alter von 5 Jahren (Video)

... und 9 Jahre

 


Pferde haben ein phänomenales Gedächtnis; „sicherte Überleben“. Pferde sind Beutetiere und deshalb hochsensible Tiere.
Wie aussergewöhnlich „intelligent“ das Pferd auch zu sein oder zu werden scheint, wie „anhänglich“ und „gehorsam“ es sein mag. Es ist und bleibt ein Pferd. Es „denkt“ als Pferd, es verhält sich als Pferd und reagiert in Sekundenbruchteilen wie ein Pferd. Wenn dann das Unvorhergesehene geschieht und wir der Meinung sind, die ganze Ausbildung und Zeit sei vergeblich gewesen, müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass die Instinkte angeborene Handlungsbereitschaft, Reflexe und Verhaltensmuster des Pferdes, Teile seines genetisch tief verankerten Erbgut ist, auch durch die sorgfältigste Erziehung, der Urinstinkt nicht grundlegend geändert, sondern bestenfalls in bestimmte Bahnen gelenkt werden kann.
Es ist unbestritten, dass Pferde Schmerz, Angst und Stress empfinden, jedoch wäre es der falsche Weg, diese anthropomorph (vermenschlichend) zu interpretieren.
Die Beherrschung im Umgang mit einem Pferd zu verlieren, ein Pferd durch Kraft und Brutalität zu zwingen, ihm Angst und Schmerz zuzufügen, ist ein sicherer Weg es zu verderben.

Belohnung artgerechtes Lernen, jeder Schritt in die gewünschte Richtung wird bestätigt, ist das geeignetste Mittel zum Lernen neuer Lektionen und Verhaltensänderungen zu etablieren.

Belohnungslernen ist der Eintritt eines positiven Zustandes, der auf Pferde motivierend wirkt.

 

 

Drohen

entspanntes Pferd durch...

... Arbeitsbeschäftigung anstatt Strafen

     

 

Fallbeispiel mit einem Ex-Rennpferd innerhalb einer Trainingslektion